Konzertreise nach Szigetszentmiklós, Ungarn, 2006
Die Juliska, die Juliska, aus Buda-Buda-pest, die hat ein Herz voll Paprika, das keinem Ruhe lässt! […] Bereits des Öfteren fester Bestandteil unseres Konzertprogramms, begaben wir uns während unserer letzten Konzertreise endlich einmal auf die Spuren des in Deutschland bekannten Operetten-Ohrwurms. Eingeladen hatte uns diesmal der Chor des ungarischen Elitegymnasiums „Batthyány Kázmer“ in Szigetszentmiklós, einem Vorort von Budapest.
Donnerstag, 28. September
Wir mussten bereits sehr früh am Morgen unseren geräumigen Doppelstock-Bus beladen, um auch pünktlich am Abend unsere ungarischen Gastgeber in Budapest begrüßen zu können. Zudem wollten wir auch noch einen kleinen Zwischenstopp in Wien einschieben, so dass sich um 5.00 Uhr unser voll beladener Bus auf den Weg Richtung Budapest machte. Am frühen Nachmittag erreichten wir dann die Vororte Wiens und besichtigten kurzerhand das berühmte Schloss Schönbrunn mit dessen riesiger Parkanlage und einem traumhaften Blick auf die österreichische Hauptstadt.
Gestärkt von einem Stück Sachertorte mit Schlagobers oder einem Apfelstrudel machten wir uns anschließend auf den Weg Richtung Budapest. Gegen Abend erreichten wir dann endlich unser lang ersehntes Ziel, doch leider mussten wir uns noch etwas gedulden, um endlich unsere Gastfamilien kennen zu lernen, da sich die Verkehrsführung innerhalb Budapests als äußerst schwierig herausstellte. Doch dank Bianca, unserem personifizierten GPS-System, erreichten wir dennoch mit etwas Verspätung das Gymnasium. Dort warteten bereits sehnsüchtig unsere Gastschüler und deren Familien auf unsere Ankunft. Nachdem alle Koffer aus dem Bus geladen und die nähere Umgebung kurz erkundet wurde, versammelten sich alle in der Aula des Gymnasiums und unsere Gastgeber gaben für uns kurzerhand ein kleines Begrüßungskonzert, das uns erste Eindrücke ungarischer Musikkultur vermittelte. Anschließend fand die Einteilung in die Gastfamilien statt, mit denen wir dann den Rest des Abends verbrachten.
Freitag, 29. September
Wir trafen uns bereits um 8.00 Uhr in der Schule, um traditionell erst einmal länger zu proben, da wir bereits am Mittag unser erstes Konzert geben sollten. Noch etwas müde von der langen Fahrt nach Budapest, fiel uns das Proben in der Mensa und in der Aula etwas schwer, so dass unsere Gastgeber für uns schnell noch einen kleinen Imbiss mit Gebäck, Tee und Wasser organisierten. Gestärkt von diesem hieß es dann um Punkt 12 Uhr „Auf geht´s; Konzertaufstellung in der Aula nehmen!“ Alle Schülerinnen und Schüler hatten nach der 4. Stunde extra frei bekommen, um sich unser Konzert anhören zu können. Dementsprechend gespannt waren diese auf unser Programm, das an jenem Tag eine Mischung aus traditionell deutschen Volksliedern, bekannten Popsongs und einigen Gospels sein sollte. Unsere Gastschüler waren sichtlich begeistert, so dass wir am Ende des Konzertes noch eine Zugabe geben mussten, und die Schülerinnen und Schüler dankten es uns mit frenetischem Applaus. Den Abschluss dieses Konzertes bildete allerdings unser mit dem ungarischen Chor gemeinsam einstudiertes Lied „California dreaming“, das von einer kleinen Rhythmusgruppe begleitet wurde. Auch hier war das Publikum begeistert und forderte erneut eine Zugabe.
Nach dem Konzert hieß es dann erst einmal Mittagessen fassen mit anschließender Mittagspause, um fit für das noch anstehende Turnier am Nachmittag zu sein. Hier hatten sich unsere Gastgeber etwas ganz Besonderes ausgedacht. Im Sinne einer deutsch-ungarischen Begegnung fand an diesem Nachmittag ein Sporttag statt. So lernten einige von uns traditionell ungarischen Volkstanz, während andere sich in Gruppen zusammenschlossen, um gegen ihre ungarischen Gastgeber Fußball oder Volleyball zu spielen. Auch unsere Lehrer bildeten eine Fußballmannschaft, ließen allerdings selbstverständlich – ganz im Sinne der Gastfreundschaft – die gastgebende Mannschaft gewinnen. Der Sporttag endete gegen 20 Uhr, somit waren wir 12 Stunden en tour, und wir verbrachten den Rest des Abends erneut in den Gastfamilien.
Samstag, 30. September
Dieser Tag stand ganz im Zeichen der Gastfamilie! So verbrachten wir alle den Tag ausschließlich bei unseren Gastschülern, die uns Budapest zeigten - dort natürlich vor allem die historische Innenstadt, die bekannte Fischerbastei, die prächtige Burg oder die ein oder andere Shopping-Meile. Budapest präsentierte sich uns wahrlich als europäische Hauptstadt ersten Ranges, modern und traditionsverhaftet zugleich. Abends traf man sich dann beim Bowling oder in einer der wenigen Gaststätten von Szigetszentmiklós.
Sonntag, 1. Oktober
Den Vormittag verbrachten wir noch bei unseren Gastfamilien, bevor wir uns dann um 14 Uhr an der Schule trafen, um gemeinsam zu unserem nächsten Konzertort, etwa 30 km entfernt, zu fahren. Die ungarische Gemeinde Kiskunlacháza zählt ungefähr 7.000 Einwohner und hatte uns mit unserem ungarischen Gastchor zu einem Konzert in der dortigen Kirche eingeladen. Zuvor gab es jedoch noch ein wenig Zeit sich einzusingen und vor allem um nochmals unser musikalisches Gastgeschenk proben zu können. So hatten wir bereits etliche Probenzeit in Deutschland dazu genutzt, um nun unseren ungarischen Gastgebern als Ergebnis das ungarische Lied „Esti dal“ zu präsentieren. Leider stellte sich die für uns noch unbekannte Aussprache als fast unüberwindbar heraus und doch ließen wir uns nicht entmutigen – wir haben ja schließlich während der letzten Jahre einige Sprachen gelernt! Brigitte, die Lehrerin, die den Austausch auf ungarischer Seite betreute, gab uns noch ein paar letzte Tipps mit auf den Weg.
Dieses zweite Konzert war vor allem durch geistliche Lieder geprägt, obgleich auch hier bekannte Gospels und getragene Popsongs nicht fehlen durften. Das Publikum dankte uns mit frenetischem Applaus und Standing Ovations und war besonders von unserem musikalischen Gastgeschenk begeistert, das – dank Brigittes Tipps – besonders gut klappte. Im Anschluss daran präsentierte der ungarische Chor einen Querschnitt seines Repertoires und wir bekamen Einblicke in ungarische Gesangs- und Liedkultur. Nach dem Konzert hatten sich unsere ungarischen Gastgeber nochmals etwas Besonderes ausgedacht. So fuhren wir zu einem echten ungarischen Volksfest, das ein klein wenig auch an Lolls erinnerte und wo viele von uns erst einmal alle ungarischen Karussells ausprobieren mussten und sie sogar ein klein wenig das Lollsfieber packte. Nach diesem anstrengenden Tag stand Entspannung in den Gastfamilien an, die uns stets mit typisch ungarischem Essen verwöhnten.
Montag, 2. Oktober
Ein weiteres Highlight war für diesen Tag angesagt: der Besuch der historischen Burg Visegrad, eines der wichtigsten Plätze der ungarischen Geschichte überhaupt. Majestätisch hoch über der Donau thronend, konnten wir sie schon von weitem erblicken, und atemberaubend war später der Blick von den Burgmauern hinab ins malerische Tal. Mit leuchtenden Augen erklärten uns unsere Gastgeber geduldig alle historischen Fakten. Anschließend ging es noch einmal nach Budapest, einige Gruppenfotos mussten noch geschossen werden, und bei dieser Gelegenheit genossen wir ein letztes Mal den traumhaften Blick vom Gellert-Berg auf die darunter liegende City. Den Abschluss unserer Konzertreise bildete dieser Abend, für den Anita, die Chorleiterin des ungarischen Chores, und Brigitte extra ein Blasorchester engagiert hatten, das nun für die ungarischen und deutschen Schülerinnen und Schüler ein Konzert gab. Anschließend hatte man in der Mensa neben diversen Getränken auch ein reichhaltiges Abendessen vorbereitet, auf das sich nach einem kurzen offiziellen Teil alle sogleich stürzten. So endete dieser Tag, aber auch diese Konzertreise, mit einem gemeinsamen Abschlussabend, an dem – ganz im Sinne des Austauschgedankens – gemeinsam musiziert und Erfahrungen ausgetauscht wurden.
Dienstag, 3. Oktober
Nach einer kurzen Nacht packten dann alle ihre Sachen zusammen und verstauten diese im Bus. Nachdem wir uns für die doch längere Heimfahrt gestärkt und uns von allen Gastschülern, Gasteltern und Lehrern – allem voran Brigitte und Anita, die diese Tage so gut organisiert hatten – verabschiedet hatten, traten wir die Rückfahrt nach Bad Hersfeld an. Es war einmal mehr wieder eine absolut gelungene Konzertreise, die vermutlich keiner von uns so schnell vergessen wird.
Silke Pfannkuch
Fotos: Dirk v. Sierakowsky
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