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Konzertreise nach Papenburg(Ems), 2006

Deutsche Flagge

Man stelle sich eine Turnhalle voller Luftmatratzen und Schlafsäcken vor, ein Sportereignis, bei dem man kilometerweit einer Kugel hinterherläuft, eine Gruppe Jugendlicher, die - in ihrer besten Kleidung auftretend - ihre Schlafsäcke wieder zusammenlegen und ihr Geschirr in einem der Waschbecken säubern, während andere inmitten dieser Säuberungsaktion ihren Frühsport in Form eines Handballspiels absolvieren. Szenen aus einem Survival-Camp? Weit gefehlt!! Dies alles sind Erinnerungen an unsere letzte Konzertreise, die uns nach Papenburg, einer Stadt im Emsland, führte.

In unserer Unterkunft

Freitag, 3.02.06: Nachdem am Freitagmorgen die Halbjahreszeugnisse ausgeteilt wurden, versuchten alle Schülerinnen und Schüler möglichst schnell nach Hause zu kommen, um das verlängerte Wochenende in allen Zügen genießen zu können. Nur eine Gruppe Jugendlicher verharrte freudig und mit Koffern, Schlafsack und Luftmatratze bepackt am Ende der Busschleife der Modellschule Obersberg. Mit insgesamt 52 Sängerinnen und Sängern nutzten wir die kurzen Ferien, um die Big Band des Gymnasiums in Papenburg für vier Tage zu besuchen. So bepackten wir gegen 11 Uhr unseren Bus und machten uns auf den Weg Richtung Norden, dort, wo das Land "platt" ist. Dort gegen 17 Uhr angekommen, erwartete uns bereits der Schulleiter des Gymnasiums sowie Hagen, der Leiter der Big Band des Gymnasiums und Organisator der Reise. Nach einer kurzen offiziellen Begrüßung und einem kleinen Snack in der Aula der Schule fuhren wir direkt in die Kirche, um dort für unsere Konzerte am Sonntag zu proben. Während wir normalerweise immer mit mind. 60 Sängerinnen und Sänger auf Reise gehen, waren es diesmal - aufgrund von einigen Krankheitsfällen und Abitur bedingten Absagen - nur knapp 50, so dass eine intensive Vorbereitung besonders wichtig war. In der Kirche wurden wir sehr herzlich empfangen: der Pfarrer organisierte sogar für alle Tee, um zu gewährleisten, dass unsere Stimmen nach der langen Busfahrt wieder ihre Höchstform erreichen.

Im Anschluss an die Probe fuhren wir zurück in die Schule, wo uns bereits einige Eltern, die ein großzügiges Abendessen vorbereitet hatten, erwarteten. Nach dem Essen war es dann endlich soweit: wir konnten nun unsere so genannte Gemeinschaftsunterkunft begutachten, die aus einer Turnhalle mit einigen Gymnastikmatten und einer Mädchen- und Jungen-Umkleidekabine bestand. So versuchte erst einmal jeder eine dieser Gymnastikmatten zu bekommen, um anschließend den besten Platz in der Halle auszuwählen ? vorrangig wurden von einigen, besonders von den männlichen Mitgliedern, die Plätze direkt an der Abgrenzung zum "Mädchentrakt" bevorzugt. Im Folgenden konnte man ein außergewöhnliches Bild betrachten: während die einen ihre Luftmatratzen aufpumpten und den erworbenen Hallenplatz zu ihrem individuellen Schlafzimmer umgestalteten (einige Sportutensilien wurden kurzerhand zum Kleiderschrank umfunktioniert), nutzten andere den noch freien Raum zwischen den "Schlafzimmern", um darin Handball- oder Fußball zu spielen. Nachdem Ulli uns einige Formalitäten bezüglich der Nachtruhe und des Betretens des Mädchenschlafplatzes erläutert hatte, machten sich einige bereits "Bett-fertig", da in der nächsten halben Stunde das Licht für alle zentral ausgeschaltet werden sollte. Wer hingegen noch den sozialen und kommunikativen Kontakt zu seinen Mitsängern suchte, musste nur in die Umkleidekabine der Jungen gehen, die wir kurzerhand in unseren Aufenthaltsraum umfunktioniert hatten. Der Tag endete für alle um Mitternacht, als man sich in seinen Schlafsack kuschelte in der Hoffnung, eine einigermaßen ruhige Nacht erleben zu dürfen.

Frühstück im Klassenraum

Samstag, 4.02.06: Bereits um halb sechs klingelten die ersten Handys - natürlich im Bereich des weiblichen Geschlechts! Es folgten ca. 30 weitere Handy-Weckrufe in 5-minütigen Abständen, bis endlich alle wach waren und pünktlich um 8.00 Uhr zum Frühstück erscheinen konnten. Da wir in der Schule untergebracht waren, musste jeder von uns Geschirr, Tassen und Besteck von zu Hause mitbringen, so dass jeweils nach einer nahrhaften Mahlzeit das Spülen des eigenen Geschirrs begann. Auch hier wurde das im Klassenzimmer angebrachte Waschbecken, das normalerweise für das Säubern der Tafel oder Ähnlichem genutzt wird, zu einer echten Spülgelegenheit umfunktioniert.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen des kulturellen Kennenlernens der Stadt und ihrer Umgebung. Zunächst fuhren wir in das Nachbarland Holland, um dort die Festung Bourtange zu besichtigen. Diese ist vor allem aufgrund ihrer außergewöhnlichen Architektur besonders sehenswert. Hier hatte man es mit Hilfe von diversen Deichkonstruktionen geschafft, dass die Festung nie eingenommen werden konnte.

In der holländischen Festung Bourtagne

In Papenburg wieder angekommen und ein kleines Mittagsmahl eingenommen, ging es dann zu einem weiteren kulturellen Höhepunkt des Emslandes: die Besichtigung der berühmten Meyer-Werft! Wir hatten das einmalige Vergnügen die einzelnen Phasen des Schiffsbaus nicht nur aus einer gewissen Distanz beobachten zu können, sondern durften auch durch die Hallen gehen und somit allen Konstruktionsplätzen bzw. Schiffen vis-a-vis gegenüberstehen. Besonders beeindruckend war die Besichtigung der letzten großen Halle. Dort standen wir plötzlich vor einem fast fertigen Luxus-Kreuzfahrtschiff, das im Frühjahr geliefert werden soll. Hier sah man noch die Arbeiter, die die einzelnen Möbel in das Schiff verstauten oder den Rest des Bildes an der Außenhaut des Schiffes fertig stellten. Schon fast zur Tradition geworden ist das Singen an außergewöhnlichen Orten - und so durfte auch hier ein kleines Ständchen, vor allem für unsere Werft-Führer, nicht fehlen.

Fast fertig: Die "Pride of Hawaii"

Noch völlig von der Werftführung begeistert, steuerten wir einem nächsten kulturellen Höhepunkt entgegen: der Boßel-Tour! Es ist in der Tat ein ostfriesischer Nationalsport - es gibt sogar Weltmeisterschaften -, bei dem mehrere Mannschaften ihren jeweiligen Kugeln, die sie zuvor gerollt haben, hinterherlaufen und das über mehrere Kilometer. Wie man bereits erkennen kann, sind die Regeln dieses Sports äußerst schwierig und undurchsichtig, so dass für uns nur ein versierter Sportlehrer als Spielleiter in Frage kam. So teilte uns Roman, wenn auch nicht immer Herr der Lage, in vier gleichstarke Teams ein, die nun jeweils eine Boßelkugel bekamen und diese nun um die Wette rollten. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten - wer ist eigentlich in meiner Gruppe? wer passt darauf auf, dass die Kugel nicht den Deich runterrollt oder was ist das eigentlich für ein Sport, bei dem es für uns Waldhessen noch nicht einmal bergauf geht? - und einem daraus resultierenden Neustart, gewann schließlich Team 2, das einfach die sportlichsten Mitglieder und die besten Lehrkräfte hatte ? ;o)))

Während eines solchen Sportereignisses darf die passende Verpflegung nicht fehlen. So waren wir mit zwei Bollerwagen ausgerüstet, die Tee, diverse Getränke und Gebäck für zwischendurch transportierten. Ebenfalls Tradition, allerdings ostfriesische, ist das anschließende Abendessen, das auch wir, dank Hagens perfekter Organisation, genießen durften. So gab es zur Stärkung nach dem anstrengenden Spiel an diesem Abend Grünkohl mit "Pinkel" (Würstchen). Gestärkt von dem reichhaltigen Essen, setzte Ulli kurzerhand noch eine zweistündige Probe an, um uns optimal auf den morgigen Konzerttag vorzubereiten. Im Anschluss daran bezogen wir wieder unsere Gemeinschaftsunterkunft, sprich: einige machten sich für die Nacht fertig, andere betätigten sich nochmals äußerst sportlich und wieder andere fanden sich in unserem Aufenthaltsraum zusammen, um diesen Tag ruhig ausklingen zu lassen.

Konzert in der Kirche "St. Josef"

Sonntag, 5.02.06: Heute hieß es früh aufstehen, da es bereits um 7.30 Uhr Frühstück geben sollte! Danach fuhren wir in die Kirche, um nochmals für den anstehenden Gottesdienst, den wir musikalisch gestalten sollten, zu proben. Dann war es endlich soweit! Wir präsentierten erstmals an diesem Tag in der vollbesetzten Kirche unser Programm, das bekannte deutsche Kirchenlieder als auch englische Spirituals beinhaltete, und den Zuhörer hat es sichtlich gefallen, da diese am Ende der Messe sogar applaudierten.

Der Rest des Vormittags stand dann für alle zur freien Verfügung, bevor um 15 Uhr in der Kirche erneut die ersten Töne zur Generalprobe erklangen. Während wir vormittags musikalischer Teil des Gottesdienstes waren, fand nachmittags nun ausschließlich ein Konzert zusammen mit der Big Band Papenburg statt, das zuvor groß in der dortigen Presse angekündigt wurde und für das man sogar Eintritt nahm. Auch hier konnten wir uns wieder über eine fast voll besetzte Kirche freuen. Während wir im ersten Teil des Konzertes eher geistliche Lieder präsentierten, ging es im zweiten Teil um die Liebe im Allgemeinen, die einerseits in alten deutschen Volksliedern, andererseits in englischen Popsongs oder bekannten Schlagermelodien wie der Tritsch-Tratsch-Polka ihren Ausdruck fand. Zwischen diesen Teilen zeigte die Big Band Papenburg ihr Können und forderte mit fetzigen Big Band- Sounds die Zuhörer zum Mitklatschen auf. So mussten wir am Ende des Konzertes sogar noch zwei Zugaben geben und das Publikum dankte uns mit Applaus und Standing Ovations.

Auch den Schulleiter konnten wir begeistern.

Nach diesem anstrengenden Tag fing dann endlich der gemütliche Teil an. Wieder in der Schule angekommen, empfingen uns die Mitglieder der Big Band und der Schulleiter des Gymnasiums. Man hatte in der Aula neben diversen Getränken ein reichhaltiges Buffet vorbereitet, auf das sich alle, nach einem kurzen offiziellen Teil, gleich stürzten. So endete dieser Tag, aber auch diese Konzertreise, mit einem gemeinsamen Abschlussabend, an dem - ganz im Sinne des Austauschgedankens - gemeinsam musiziert und Erfahrungen ausgetauscht wurden.

Montag, 6.02.06: Nach einer kurzen Nacht konnte man ein letztes Mal eine Schlange vor den Mädchenduschen erkennen, bevor dann alle ihre Sachen wieder zusammenpackten und im Bus verstauten. Zuvor jedoch gingen wir zum Frühstück und trafen an diesem Tag auf einige Schüler, die diesen Raum eigentlich als Unterrichtsraum nutzen wollten - die Schule hatte bereits begonnen - und uns ziemlich überrascht ansahen. Nachdem wir uns für die doch längere Heimfahrt gestärkt und uns von allen - vor allem von Hagen, der diese Tage top organisiert hatte - verabschiedet hatten, traten wir die Rückfahrt nach Bad Hersfeld an.

Dort angekommen, fielen sich einige nochmals in die Arme - so eine Gemeinschaftsunterkunft verbindet! - bevor dann die meisten von uns zu Hause angekommen vermutlich erst einmal ein kleines Schläfchen gemacht haben und dabei das Klingeln der Handys oder die Anfeuerungsrufe während des Handballspiels gänzlich vermissten. Alles in allem war dies mal wieder eine absolut gelungene Konzertreise, die vermutlich keiner von uns so schnell vergessen wird.

Danke an Hagen, unseren großartigen Gastgeber!

Bericht: Silke Pfannkuch
Fotos: Marlene Vetter, Mattheus Drzewiecki, Dirk v. Sierakowsky

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