Konzertreise nach Hyvinkää, Finnland, 2007

Unsere letzte Konzertreise in 2007 führte uns diesmal in den hohen Norden, in die Kleinstadt Hyvinkää, 50 km von Helsinki entfernt. Hier folgten wir der Einladung eines finnischen Schulchores, der uns bereits im Frühjahr in Bad Hersfeld besucht hatte. Mit freudiger Erwartung auf typisch finnisches Leben und Landschaft starteten wir am „Tag der Deutschen Einheit“ unsere mittlerweile 13. Konzertreise.
Mittwoch, 03.10.07
Wir treffen uns um 10.30 Uhr an der MSO zur Abfahrt. Nachdem alle Koffer verladen sind, singen wir zunächst ein Ständchen für unser Geburtstagskind Birk und fahren anschließend nach Düsseldorf. Drei Stunden später und nach zwei kleineren Pausen erreichen wir den Flughafen. Schnell finden wir unsere Schalter und beginnen mit dem Einchecken.
Als das Gepäck abgegeben ist, haben wir noch eine Stunde Zeit, die wir zum Trinken eines Kaffees nutzen. Pünktlich zur Bording-Time treffen wir uns wieder und gehen durch die Sicherheitskontrollen. In der verbleibenden Zeit bis zum Abflug wird das traditionelle Quiz ausgeteilt, welches uns während des zweistündigen Fluges beschäftigen soll. Das Finnland-Quiz ist nicht nur ein willkommener Zeitvertreib, sondern fordert auch Allgemeinwissen über unser Gastland und bereitet uns so auf unser Reiseziel vor.
Nach angenehmen Flug und mit einer Stunde Zeitverschiebung kommen wir um 22.30 Uhr am Flughafen an, wo wir von Kai – einem der finnischen Organisatoren - herzlich willkommen geheißen werden. Von Helsinki fahren wir ca. 40 Minuten bis zu unserer Zielstadt Hyvinkää. Dort angekommen, erwarten uns schon die Gastfamilien für die nächsten 5 Tage und wir werden aufgeteilt. Nachdem jeder seine Familie gefunden und begrüßt hat, fahren wir mit ihnen in die verschiedenen Gastfamilien. In unserem vorübergehenden Heim angelangt, lernen wir das erste Mal finnisches Leben mit traditionell finnischem Essen in den Familien kennen. Dabei beeindruckt uns vor allem, dass es in jedem finnischen Haus neben einem Kamin natürlich eine Sauna gibt.
Donnerstag, 04.10.07
Die Gastfamilien bringen uns nach dem Frühstück in die Partnerschule „Tapainlinna“. Ungewöhnlich ist für uns, dass die Schüler ihre Schuhe in der Pausenhalle ausziehen und nur mit Strümpfen in den Unterricht gehen. Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen auch die Schuhe auszuziehen und den Sitten der Schule zu folgen. Ebenso haben wir heute erneut ein Geburtstagskind unter uns und wir beginnen den Tag mit einem „Happy Birthday“ für Luisa.
Ein kleiner Teil des Chores macht sich nun auf den Weg zur Stadtverwaltung, wo wir vom Bürgermeister Hyvinkääs offiziell empfangen werden. Die in der Schule gebliebenen haben die Gelegenheit, an einer Schulführung teilzunehmen oder in einem Sprachlabor zu arbeiten. Das Sprachlabor bietet uns die Möglichkeit, ein paar finnische Worte zu erlernen. Jeder Schüler bekommt einen Kopfhörer aufgesetzt und soll die Wörter, die ihm über diese gesagt werden, wiederholen. So lernen wir, wie man sich in Finnland begrüßt oder bedankt und machen eine neue Erfahrung. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, im Unterricht zu hospitieren und die Schüler kennen zu lernen.
Nach dem Mittagessen in der Kantine der Schule singen wir in der Aula einige Lieder für die gesamte Schülerschaft und werden offiziell begrüßt. Anschließend stellen uns finnische Schüler Fragen zu unserem Chor und Heimatland, die wir gerne beantworten. Bevor wir zu Fuß zum Hallenbad aufbrechen steht noch ein kurzer Vortrag im Auditorium auf dem Programm.
Im Bad verbringen einige die Zeit im Whirlpool, mit der Wasserrutsche, in der Sauna oder damit, im Schwimmerbecken Bahnen zu schwimmen. Gegen 17.00 Uhr treffen wir uns frisch geduscht im Eingang des Hallenbads und fahren mit Taxis zum Restaurant „Nelson“, in welches wir von unseren Gastgebern eingeladen sind. Hier erwartet uns ein großes Buffet, auf dem für jeden Geschmack etwas dabei ist.
Gut gestärkt laufen wir zurück zur nahegelegenen Schule, in der uns ein Bunter Abend erwartet. Die Schüler haben ein unterhaltsames Programm zusammengestellt und eingeübt, das sowohl Klavierstücke und Darbietungen einer Schülerband als auch ein kurzes Theaterstück der Lehrer beinhaltet. Die Moderation des Abends ist für uns sogar auf Deutsch. Überraschenderweise können viele Finnen Deutsch sprechen, weil der Deutschunterricht schon ab dem fünften Schuljahr zum Lehrplan gehört. Dies beeindruckt uns sehr und vereinfacht die Unterhaltungen.
Nach dem Programm sehen wir uns in der Pausenhalle eine Tanzeinlage von drei Mädchen an und müssen anschließend selbst das Tanzbein schwingen, da wir mit unseren Gastgebern einen traditionellen Gruppentanz einstudieren, der für alle sehr lustig, aber durchaus auch anstrengend ist. Der erste Abend klingt mit einer Feier aus, bei der sich deutsche und finnische Schüler kennen lernen und austauschen.
Freitag, 05.10.07
Heute treffen wir uns an der Oberstufenschule „Yhteiskoulu“ in Hyvinkää und beginnen mit einer Probe. Da Lissy 19. Geburtstag hat, startet auch der dritte Tag unserer Reise mit einem Geburtstagsständchen. Wie am vorherigen Tag findet auch in dieser Schule eine Begrüßung in der Aula statt und wir singen das Europalied „Ode an die Freude“. Natürlich werden auch die Fragen der Schüler beantwortet. Anschließend werden wir in kleine Gruppen aufgeteilt und bekommen von den Schülern eine Schulführung durch das Gymnasium. Von den Deutschkenntnissen unserer finnischen Gastgeber sind wir begeistert und zugleich beeindruckt.
In der Kantine gibt es zum Mittagessen Fischsuppe, bevor wir das finnische Eisenbahnmuseum besichtigen. Die finnischen Schüler haben in ihrem Deutschunterricht kurze Vorträge über das Museum vorbereitet und führen uns professionell durch die Ausstellung alter Lokomotiven und Waggons. Die Waggons, mit denen eine Kaiserin früher reiste, beeindrucken uns sehr und mancher wünscht sich, dass unsere nächste Reise mit diesem Zug sein wird. Die Ausstellung zeigt uns aber nicht nur luxuriöse Züge, sondern auch Waggons, in denen Bürger noch vor einigen Jahrzehnten fuhren, Werkstattwaggons und Kohlewagen.
Nachdem alle Dampflokomotiven besichtigt sind, werden wir zu einer kleinen orthodoxen Kirche geführt. Hier werden wir schon erwartet und bekommen einiges über die für uns fremde finnisch-orthodoxe Religion erklärt, und man beantwortet alle unsere Fragen hierzu. Ungewöhnlich ist für uns vor allem der abgetrennte Altarraum, der ausschließlich von Männern betreten werden darf.
Den Rest des Nachmittags verbringen wir im Musikraum und in der Aula des Gymnasiums mit einer Probe für das anstehende Konzert am Sonntag. Besonders an unseren neuen finnischen Liedern muss noch gefeilt werden, da es Textkomplikationen gibt. Nachdem uns der Text von einer finnischen Lehrerin vorgesprochen wird und wir ihn wiederholen, sind jedoch die Unklarheiten beseitigt und wir freunden uns langsam mit der Sprache an. Um Abend zu essen, laufen wir zum Seniorenheim von Hyninkää, wo es Lasagne gibt. Hyvinkää ist eine kleine Stadt und so lässt sich alles problemlos per Fuß erreichen.
Wieder an der Schule angekommen, bereiten wir uns auf einen Auftritt auf die Herbstfeier der Schule vor. Die Herbstfeier ist eine traditionelle Veranstaltung der Schule, die jährlich stattfindet und von Lehrern und Schülern gemeinsam organisiert und ausgerichtet wird. Zu Beginn des Abends dürfen wir auftreten und anschließend das vielfältige Programm genießen, darunter musikalische Beiträge und Sketche. Obwohl wir die Sprache nicht verstehen können, erkennen wir, dass Schüler ihre Lehrer nachahmen oder Lehrer ein kurzes Theaterstück vorspielen. Nach dem Programm werden wir zu Kaffee und Kuchen in die Kantine eingeladen, wo wir mit den finnischen Schülern ins Gespräch kommen und gemütlich beisammen sitzen. Gegen 22.00 Uhr werden wir abgeholt oder laufen nach Hause.
Samstag, 06.10.07
Wir treffen uns nach dem Frühstück um 9.00 Uhr zu einer Probe in der Tapainlinna Schule. Heute möchten wir eine Stadtbesichtigung in Helsinki machen, und so werden wir nach der Probe von zwei Bussen abgeholt. Da es bei unserer Anreise dunkel war, sehen wir nun zum ersten Mal die riesigen, unberührten Wälder, beeindruckende Seenlandschaften und einsam gelegene Häuser. Die Stadtrundfahrt führt uns am Hafen, am Denkmal des finnischen Nationalkomponisten Sibelius und verschiedenen anderen Kirchen vorbei, bis wir an der berühmten Felsenkirche aussteigen. Die Kirche ist ein riesiger Hohlraum in einem Felsen und die Wände sind steinern. Obwohl sie sehr schlicht ist, beeindruckt sie mit ihrer einmaligen Konstruktion. Die Stadtrundfahrt endet im Zentrum der Stadt vor dem Dom, der auch sogleich als optimalen Hintergrund für ein Gruppenfoto verwendet wird.
Nun haben wir Freizeit, in der die meisten Mittagessen gehen. Des Weiteren ist der Markt am Hafen sehenswert, der von uns aufgesucht wird. Die Fischer verkaufen ihren Fang hier direkt vom Boot oder an den Marktständen. Neben frischem Fisch gibt es jedoch auch Souvenirstände, an denen wir typisch finnische Mitbringsel kaufen können. Nachdem Postkarten gekauft, beschrieben und eingeworfen sind, ist noch Zeit, dem großen Musikhaus im Zentrum einen Besuch abzustatten und sich umzusehen.
In der verbleibenden Zeit setzen wir uns auf die riesige, steile Treppe, die zum Dom führt, und genießen in der Sonne die Aussicht über die Stadt. Um 17.30 Uhr sind wir wieder vollzählig und fahren zurück nach Hyvinkää. Unsere Gastfamilien holen uns an der Schule ab und der Abend wird in den Gastfamilien verbracht. Da das Saunieren in Finnland Tradition ist, haben viele Familien eine eigene Sauna, in die wir eingeladen werden. Zu einem Besuch in Finnland gehört das Saunieren einfach dazu und so können wir das Angebot nicht ausschlagen.
Sonntag, 07.10.07
Treffpunkt ist heute direkt vor der evangelisch-lutherischen Kirche in Hyvinkää, wo wir während des Gottesdienstes auftreten sollen. Zuerst singen wir uns im Pfarrheim ein, dann gehen wir in die Kirche und singen geistliche Lieder wie „O Lord hear my pray'r“ oder „I´m gonna sing“. Nach der Messe wird die Gemeinde zu Kaffee und Kuchen in das Pfarrheim eingeladen, und wir singen dort erneut und geben einen kleinen Vorgeschmack auf unser Konzert am Nachmittag. Das Mittagessen für uns ist ebenfalls im Gemeindesaal, wir werden hier gut verköstigt.
Gut gestärkt laufen wir zum Hyvinkää-Saal, der Stadthalle, in der das Konzert stattfindet, und beginnen dort zu proben. Da das Konzert gemeinsam mit dem finnischen Chor unter der Leitung von Marja-Lisa bestritten wird, üben wir auch gemeinsame Lieder für Beginn und Finale des Konzerts ein.
Das Konzert beginnt um 15.00 Uhr, etwa 400 Zuhörer sind der Einladung gefolgt und hören unsere sorgfältig ausgewählte und eingeübte Mischung aus geistlichen, populären und traditionellen deutschen Volksliedern. Mit den bekannten finnischen Liedern, die uns zuvor zur Verzweiflung gebracht hatten, erobern wir die Herzen der Zuschauer im Sturm und werden für die Anstrengungen in den Proben mit lautem Beifall belohnt. Das wunderbare Konzert ist nicht nur der Höhepunkt unserer schönen Reise, sondern auch gleichzeitig ein würdiger Abschluss.
Nach getaner Arbeit fahren die beiden Chöre an den nahe gelegenen Sääksi-See, an dem unser Erfolg gefeiert und gleichzeitig Abschied genommen wird. Am See angekommen erwartet uns ein Abendessen, und wir können in einer kleinen Hütte selber grillen. Es werden deutsch-finnische Beziehungen geknüpft und Adressen ausgetauscht.
Gegen 20.00 Uhr werden wir zum See gerufen, wo wir Ulli in einem Tauchanzug und mit der Aufforderung „Auf geht’s! Kommt doch rein !“ im See stehend vorfinden. Die Sauna am See steht uns nun offen, und wer möchte, kann saunieren und sich anschließend im See abkühlen. So lassen es sich einige nicht nehmen Ullis Ruf zu folgen und springen nach dem Saunieren ins eiskalte Wasser. Auch ein Lagerfeuer und eine kleine Hütte mit offener Feuerstelle laden zu gemütlichem Beisammensein ein.
Zum Abschluss versammeln wir uns gegen 22.00 Uhr im Hauptgebäude, und Ulli bedankt sich im Namen aller bei Marja-Lisa und Kai, die uns eingeladen und unseren Aufenthalt mit Konzerten und Besichtigungsprogramm organisiert haben. Des Weiteren bedanken wir uns bei den finnischen Sängern, die uns in ihren Familien so herzlich aufnahmen und uns diese Reise ermöglichten. Es werden Gastgeschenke, darunter ein Gruppenfoto des Chors und ein Bad Hersfeld Buch, überreicht. Selbstverständlich können wir diesen Abend nicht beenden, ohne ein Ständchen für unsere Gastgeber gesungen zu haben, und so stimmen wir noch ein paar Lieder an, die zu den Lieblingsliedern unserer finnischen Freunde gehören. Die Busse bringen uns zurück zur Schule, von der wir abgeholt werden oder nach Hause laufen.
Montag, 08.10.07
Um 9.30 Uhr treffen wir uns mit unseren Koffern an der Schule „Yhteiskoulu“ und verabschieden uns von unseren Gastfamilien. Heute hat Moritz, das vierte und letzte Geburtstagskind der Reise, Geburtstag, und wir dürfen ihn mit einem Ständchen begrüßen.
Anschließend haben die finnischen Schüler eine Stadtführung durch Hyvinkää für uns vorbereitet und wir teilen uns in kleine Gruppen auf. Zuerst besichtigen wir nochmals die moderne Kirche, in der wir am Vortag gesungen haben, mit entsprechender Führung und genügend Zeit zum Umsehen. Die zweite Sehenswürdigkeit ist das Kunstmuseum, in dem wir Originalwerke finnischer Künstler bestaunen können. Zum Mittagessen teilen sich die Gruppen auf die beiden Schulen auf und treffen sich anschließend wieder bei dem letzten Programmpunkt, einer Jugendwerkstatt, in der wir nochmals einige Bilder von Jugendlichen ansehen.
Nun haben wir drei Stunden zur freien Verfügung, welche die meisten Sänger zunächst nutzen, um in einer kleinen Konditorei Kaffee zu trinken und Gebäckstückchen zu essen. Danach bummeln wir durch das Stadtzentrum zurück zur „Tapainlinna“ Schule und essen dort zu Abend. Der Bus holt uns dort ab und wir fahren zur „Yhteiskoulu“ Schule, an der unser Gepäck verladen wird und wir uns endgültig von Marja-Lisa verabschieden.
Das Einchecken am Flughafen verläuft problemlos. Das legendäre Quiz wird in der verbleibenden Zeit aufgelöst und die Gewinner werden ermittelt (nach einem spannenden Stechen zwischen Ulli, Silke, Marlene und Luisa, die auf dem Hinflug zufällig zusammen saßen, kann Silke das Stechen für sich entscheiden und das Quiz gewinnen).
Um 21.45 Uhr heben wir ab und bewegen uns in Richtung Heimat. Nach einem angenehmen Flug landen wir zwei Stunden später in Düsseldorf, wo wir in unseren Bus umsteigen und von dem langen Tag erschöpft einschlafen. Pünktlich um 3.00 Uhr erreichen wir den Obersberg und eine einmalige Reise endet. Wir sind uns jedoch sicher, dass dies nicht das letzte Treffen unserer finnischen Freunde war, sondern erst der Anfang einer langen und intensiven Freundschaft.
Marlene Vetter
Fotos: Hermann Krutzinna, Dirk v. Sierakowsky
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